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2020

"Regionale Produzenten sorgen auch jetzt für einen vollen Einkaufskorb"

Interview mit Landesrat Markus Achleitner

© Land OÖ

OÖ. Mit 580 Millionen EUR ist das Oberösterreich-Paket des Landes das größte Unterstützungs-Paket in der Geschichte, entsprechend der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg, betont Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP). Ein besonderes Augenmerk wird darin auf die Kampagne zur Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln gelegt.

Tips: Warum liegt Ihnen diese Kampagne so am Herzen?

Achleitner: Oberösterreich ist bekannt für hochwertige, sichere und innovative Lebensmittel. Die momentane Ausnahmesituation zeigt uns aber in Bereichen Abhängigkeiten auf. Gemüse und Obst müssen geerntet und weiterverarbeitet, Fleisch, Brot und Gebäck produziert werden. Dazu fehlen aufgrund der Grenzschließungen und der Reisebeschränkungen aber plötzlich Arbeitskräfte, die seit Jahren aus anderen Ländern kommen. Natürlich versuchen wir in Abstimmung mit anderen Ländern mittels Ausnahmegenehmigungen etc. möglichst rasch darauf zu reagieren. Für die Zukunft müssen wir hier aber viel unabhängiger werden.

Tips: Wie will man kurzfristig diese Fachkräfte beschaffen?

Achleitner: Zahlreiche Oberösterreicher befinden sich gerade in Kurzarbeit oder sind arbeitslos. Bei ihnen möchten wir das Bewusstsein dafür schaffen, dass sie jetzt in den Betrieben sinnvoll mithelfen können, als Erntehelfer oder Köche werden etwa als Facharbeitskraft in Schlachthöfen benötigt. Der Bedarf wird mit Arbeitsmarktservice, Land- und Wirtschaftskammer abgestimmt, damit wir die Leute in die Berufe bekommen, wo wir sie dringend brauchen.

Tips: Welches Ziel verfolgt die Kampagne noch?

Achleitner: Einzelhändler, die unsere heimischen Lebensmittel vertreiben, kämpfen mit massiven Umsatzeinbußen. Ebenso leiden Bäcker, Fleischer usw. darunter, dass viele Menschen lieber Einkäufe in den Supermärkten erledigen, also auch den Einkauf von Brot, Gebäck, Fleisch und Wurst, um sich so zusätzliche Wege zu ersparen. Wir möchten den Menschen bewusst machen, wie wichtig es ist, regional einzukaufen, auch für später. Indem wir den regionalen Nahversorgern, egal ob Fleischer oder Schuster, durch die schwere Zeit und sichern damit die regionale Produktion ab. Das ist eine Win-Win-Situation für alle.

Tips: Wie hat sich die Krise digital ausgewirkt?

Achleitner: Viele Geschäftsleute haben davor den digitalen Weg abgelehnt, weil sie ihrem Empfinden nach analog gut aufgestellt waren. In Zeiten, in denen wir zuhause bleiben müssen, haben gerade sie zu spüren bekommen, dass andere, die breiter aufgestellt sind, geschäftsmäßig an ihnen vorbeiziehen. Die digitalen Vertriebswege auch für die regionalen Anbieter zu erschließen, sehe ich deshalb als wichtigen Auftrag und Lehre aus der Krise.

Tips: Und wie?

Achleitner: Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer haben wir das Förderprogramm "Digital Starter Plus" ins Leben gerufen. Damit wird Unternehmen geholfen, durch neue digitale Vertriebsformen ihre Produkte und Dienstleistungen trotz der Beschränkungen anbieten zu können. Webshoplösungen werden etwa mit 75 Prozent gefördert, maximal 4.500 EUR pro Betrieb. Land OÖ und WK OÖ haben dazu die Mittel für dieses Förderprogramm verdreifacht – auf 3 Millionen Euro. Genauso fördern wir Plattformen, auf denen sich Branchen oder -verbünde zusammentun, um ihre Leistungen kaufbar zu machen. Die Forderung liegt bei bis zu 20.000 Euro pro Projekt.

Tips: Gibt's schon Beispiele?

Achleitner: Ganz neu ist etwa das Pilotprojekt des Digitalen Marktplatzes in St. Florian bei Linz. Auch hier kommen regionale Anbieter und Kunden auf einer Plattform zusammen. Nach der digitalen Bestellung wird die Lieferung in der Abholbox hinterlegt. Als Konsument hält man sein Handy hin oder gibt einen Code ein, die Tür der Abholbox springt auf und die Bestellung kann mit nach Hause genommen werden. Das ist eine tolle Idee, nicht nur in der Krise, sondern generell für Menschen, die nicht mehr so mobil sind.

Tips: Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus?

Achleitner: In der Krise haben die Menschen gemerkt, wie wichtig regionale Nahversorger sind, dass sie auch jetzt für volle Einkaufskörbe sorgen können. Diese Wertschätzung und dieses Bewusstsein gegenüber dem regionalen Produzenten soll aber auch danach zu spüren sein, indem sich das Einkaufverhalten der Oberösterreicher nachhaltig verändert.

Positive Beispiele:

  • Familie Wellinger aus St. Marienkirchen/Hausruck hat viel Herzblut in den Aufbau eines Online-Shops investiert und konnte den Umsatz in den letzten Wochen mehr als verdoppeln. Denn in dieser Zeit, so Betriebsführerin Karin Wellinger, bestellen mehr Menschen Lebensmittel online. Der Bioziegenbetrieb vertreibt Spezialitäten wie Rohschinken oder Ziegenfleisch küchenfertig verpackt. Er bedient sich der Plattform www.nahgenuss.at.
  • www.lieferserviceregional.at
  • www.gutesvombauernhof.at

Ansprechpartner

Sales Auskünfte
Hannes Pöcklhofer
HP Projektentwicklung Pöcklhofer
Pressearbeit
Mag. Willy Lehmann
Willy Lehmann Markenagentur